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26. Tag des neuen Jahres 3021

Le suilon Laylia, mellon!


Das Leben in Minas Tirith geht weiter wie bisher. Von Seiten der Orks erfolgte immer noch kein Angriff. Es scheint, als würden sie wie friedliche Nachbarn in Osgiliath leben, doch ist es nicht sicher welch heimtückischen und zerstörerischen Plan sie haben.
Einige Bürger haben sich gegen den Befehl des Königs, ihrer Arbeit wieder nachzugehen, wiedersetzt und halten sich weiterhin in ihren Verstecken auf. Dagegen kann man nichts machen, sagte Gandalf und Aragorn belies es dabei.

Nun komme ich endlich dazu, dir wieder einmal zu schreiben. Es ist nicht so, dass die letzten Tage ziemlich stürmisch waren, aber Boromir hat meine Zeit arg in Anspruch genommen.
Die letzten zwei Tage verbrachte ich fast nur an Boromirs Seite. Niemals hätte ich gedacht, dass er so ein liebevoller und zugleich rauer Mensch sein kann.
Den 24. Tag des neuen Jahres, verbrachten wir damit, durch ganz Minas Tirith zu reiten. Zu erst zeigte er mir die Stelle, an der er und Faramir als kleine Kinder immer gespielt hatten. Danach ritten wir an die Stelle, an der er mich das erste mal gesehen hatte. Ich konnte mich noch genau an diesen Ort erinnern, denn es war der Ort, an dem ich auch Faramir das erste mal sah. Sicher wusste Boromir davon, aber er lies es sich nicht anmerken.
Es war ein wunderschöner Ort, dass fand ich auch schon damals. Der Garten der Königsfelsen, nannte man ihn und er wurde vor etlichen Jahren von reicheren Handelsleuten im 3. Ring angelegt. Wahrlich ein wunderschöner Garten und selbst der Ringkrieg konnte ihm nichts anhaben. Leicht versteckt, nur durch einen fast unsichtbaren Eingang zu betreten, lag er inmitten Häuser und Handelsläden. Ich hatte ihn damals nur durch einen dumme Zufall betreten. Damals wie heute war ich so ein alberner Narr und lieferte mir mit ein paar Gleichaltrigen eine Hetzjagd durch Minas Tirith. Auf einmal stand ich vor dem versteckten Tor. Durch meine Neugierde und Abenteuerlust gepackt, konnte ich gar nicht anders, als hinein gehen. Es war damals einer der schönsten Orte, die ich je gesehen hatte. Überhaupt gab es in Minas Tirith jeden Tag etwas Neueres zu entdecken, welches immer noch schöner als das vorherige war.
Wenn du einmal hier bist, werde auch ich dich in den Garten der Königsfelsen führen. Es ist ein Schauspiel der besonderen Art und ich glaube, selbst ihr wählerischen Elben würdet euch dort sehr wohl fühlen.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich den weißen Weg an der Felswand entlang folgte. Es war der einzige und er führte mich an einer steilen, felsigen Wand vorbei, auf deren harten Gestein die Ebenbilder der vergangenen Könige eingehauen waren. Es mussten Hunderte von Leuten gewesen sein, die dies Meisterwerk erschufen, denn es wurde selbst die kleinste Falte eines Mantels der Könige nicht vergessen. Wahrlich ein Augenöffner, gar keine Frage um es mit Sam Gamdschies Worten zu sagen.
Der Weg führte mich zu einen kreisrunden Platz, der rundum mit Felsen eingezäunt war. Inmitten des Platzes hatten die Leute einen kleinen Park angelegt in dem man Wandern, Erzählen oder sich auch einfach nur zur Ruhe finden konnte. Der Felszaun war ebenfalls behauen und man konnte auf der rechten Seite, die gesamte Karte von Mittelerde erkennen und auf der anderen Seite, eine perfekte, in Stein gehauene Miniatur Minas Tiriths. Auch konnte ich es mir nicht nehmen lassen, einen kleinen Spaziergang durch den Park zu machen.
Es waren nur ein paar Schritte, die ich lief bis ich an eine Stelle kam, an der ebenfalls kreisrund kleine Bänke an den Bäumen angebracht waren. Sicher müssen auch Elben an der Errichtung dieses Parks mitgearbeitet haben, denn es erinnerte mich nur allzu sehr an die Bauart der Flets in Lothlórien. Ich sah mich um und auf einer der Bänke saßen zwei Männer Gondors. Damals hatte ich schon ein sehr starkes Gefallen an den Männern, die den Weißen Baum auf ihrer Uniform trugen.
Ich setzte mich auf die Bank gegenüber, so dass ich die beiden in meinen Blickfeld hatte und zog meine Pfeife heraus. Leider hatte ich kein Pfeifenkraut dabei und somit steckte ich sie, verärgert über meine Nachlässigkeit, wieder weg. Als ich wieder zu den beiden sah, bemerkte ich, dass sie auf den Weg zu mir waren. Einer der beiden lächelte mich freundlich an und reichte mir ein wenig Pfeifenkraut von seinem.
"Es scheint, als hättet Ihr kein Pfeifenkraut bei Euch, holde Maid! Hier, nehmt welches von meinem, es ist genug für uns beide da."
Dankend nahm ich es an. "Habt Dank, mein Herr. Aber sagt mir, mit wem habe ich die Ehre?"
"Ich bin Boromir und das hier ist mein kleiner Bruder Faramir!" stellte er sich und seinen Bruder vor.
Ich staunte nicht schlecht. Boromir und Faramir waren mir wahrlich ein Begriff, waren sie doch die Söhne vom Herrn Denethor, dem Truchsess von Gondor, doch gesehen hatte ich sie noch nie, umso mehr überraschte es mich, sie gerade hier, an diesen Ort zu treffen.
Ich verneigte mich vor ihnen, so wie es sich gehörte, wenn man jemand obersten Ranges vor sich hatte.
"Ich bitte um Entschuldigung, meine Herren, aber ich wusste nicht, dass Ihr es seid. Ich bin selten in Minas Tirith und kenne mich noch nicht all zu gut hier aus."
Mir fiel auf, dass der jüngere der beiden, ziemlich ruhig und zurückhaltend war, das gefiel mir besonders. Faramir strahlte etwas liebenswertes, edles, dennoch aber auch einen großen Kampfgeist aus. Sein Bruder aber war draufgängerisch und rein gar nicht schüchtern.
"Dafür, dass Ihr Euch noch nicht all zu gut hier auskennt, habt Ihr aber dennoch den geheimen Eingang zu den Königsfelsen gefunden!" hörte ich Faramir sagen und ich war überrascht, dass er überhaupt etwas sagte.
"Oh, das war mehr ein Zufall! Bitte entschuldigt, dass ich den Garten betreten habe!" Mir kam der unangenehme Gedanke, dass dieser Garten vielleicht nur für die Leute höheren Ranges gedacht war und entschuldigte mich.
"Ach, lasst es gut sein, Schildmaid. Ich bin froh, dass Ihr hier seid, so können wir ein wenig erzählen. Lasst uns ein wenig gehen!" donnerte Boromir los und zeigte auf den Weg, der wieder in den Park hinein führte.
"Aber nun verratet uns, wer Ihr eigentlich seid!" sprach Faramir, aber er sah mich dabei nicht an. Sicherlich ein Zeichen seiner Zurückhaltung.
"Ich bin Laielenwen, eine Waldläuferin. Ich verweile momentan in Minas Tirith, da ich auf einen Freund warte. Wir wollen durch die Wälder Ithiliens ziehen. Ich habe gehört, sie sollen mit die schönsten Mittelerdes sein."
"Ha ha, wohl wahr! Doch sind sie bei weitem nicht so schön wie Ihr, meine Dame!" sagte Boromir verwegen.
Ein kleines Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen, doch war es Faramir, für den mein Interesse galt. Nur leider war es sehr schwer an ihn heran zu kommen und ich versuchte es über Boromir. Wenn ich mich mit ihm gut verstände, würde ich mich mit seinem kleinen Bruder sicher auch gut verstehen. Für wahr, nicht gerade die edelste Art, aber ich denke, die Männer halten es genauso.
Wir liefen nur ein kurzes Stück, bis ein Bote zu uns eilte und die Nachricht überbrachte, dass Faramir schnellstens zu seinem Vater kommen solle.
"Er gönnt uns nicht mal ein Stündchen Ruhe!" sagte Boromir und klopfte seinen Bruder auf die Schulter.
"Bis nachher!" antwortete Faramir und ging davon.
"Aber ich hoffe, dass Ihr noch Zeit und Lust habt, ein wenig Spazieren zu gehen?" fragte mich Boromir.
"Ja gewiss doch!" antwortete ich ihm.
"Ihr seid also eine Waldläuferin? Das klingt interessant. Ich bin der Wächter des Weißen Turms, wenn es Euch etwas sagt. Aber nun erzählt, wer ist Euer Freund, den Ihr hier erwartet?"
"Sein Name ist Aragorn, besser bekannt als Streicher."
"Aragorn?" fragte Boromir nachdenklich. "Von diesen Namen habe ich noch nie etwas gehört!"
"Er ist ebenfalls Waldläufer, so wie ich."
"Nun denn, ich hoffe er hat zwei wache Augen, was Euch betrifft, denn es würde mich fürchten daran zu denken, dass so eine schöne Frau, wie Ihr es seid, von Orks überfallen wird."
Ich lächelte ihn an und zeigte auf mein Schwert. "Ich kann mich wahrlich selbst verteidigen. Ich trage die Klinge Ithúriel, ein Erbstück meiner Familie!"
"Ein schönes Schwert, was Ihr da bei Euch tragt, doch hoffe ich dennoch, dass Ihr es nie benutzen braucht. Woher kommt Ihr?"
"Ich komme aus Nimgond, einer Stadt am Pinnath Gelin, kurz vor der Bucht Anfalas."
"Ich kenne Nimgond. Für wahr, ein kleines, ruhiges Städtchen."
"Ja, es ist nach den weißen, felsigen Ausläufern des Weißen Gebirges benannt. Ward Ihr jemals dort, mein Herr?" Ich sah Boromir an.
"Ich bin nur einmal durchgeritten, als ich mit meinem Vater unterwegs war. Damals ist er öfter mit mir und Faramir unterwegs gewesen, doch nun verlässt er den obersten Ring fast gar nicht mehr. Er schließt sich stundenlang in seinem Zimmer ein und starrt in dieses Palantír... Aber lasst uns über andere Dinge sprechen, als über meinen Vater!" Er stockte kurz, als er von Denethor sprach, erzählte dann aber normal weiter.
Noch eine ganze weile plauderten wir, bis auch er seinen Dienst nachgehen musste.

Das war also der Tag, an dem ich Faramir und Boromir das erste mal gesehen hatte und nun stand ich wieder hier. Es war ein eigenartiges Gefühl. Mir schien, als wäre dieser Tag nicht länger als ein Monat oder weniger her, doch waren es ganze 5 Jahre!
Ich staunte, dass diesmal viel mehr Leute hier waren als damals. Sicher suchten sie die Ruhe und Geborgenheit eines solchen Meisterwerkes.
Wir setzten uns auf die selbe Bank, auf der auch ich damals saß und erzählten bis tief in die Nacht hinein. Zwischendurch küsste mich Boromir mehrmals, aber es schien ihm nicht zu stören, dass die Menschen um uns herum uns entsetzt anstarrten.

Gestern wurde ich zum König eingeladen. Er gab ein herrliches Festmahl, dessen Anlass die Rückkehr Boromirs und der Besuch von Legolas und Gimli war. Wir gedachten den Hobbits, denen wir alles zu verdanken hatten und bedauerten, dass sie nicht mit da waren. Auch bedauerte ich, dass Faramir nicht teilnehmen konnte. Boromir ging es ebenso.
Jaromir, der vorgestern schon von seinen Auskundschaftungen zurück kam, war auch anwesend, hielt sich aber versteckt im Hintergrund auf.
Es war ein berauschendes Fest und auch Gimli konnte es nicht lassen, Legolas erneut zu einem Wetttrinken heraus zu fordern. Natürlich gewann wie immer dein Bruder, aber dies war auch gut so, denn außer ihm fand sich keiner, der den betrunkenen Zwerg in sein Zimmer schleppen wollte.
Das Fest war auch endlich eine Gelegenheit, mein wunderschönes Elbenkleid zu tragen.
"Ich traue meinen Augen nicht, bist du das wirklich, Lai? Ich habe dich noch nie in solch einen wunderschönen Kleid gesehen!" empfing mich Boromir.
"Ich mich auch nicht mein Lieber!" antwortete ich und sah ihn frech an.

Was den heutigen Tag betrifft, so kann ich dir noch nicht all zu viel berichten, denn es ist gerade kurz nach Sonnenaufgang. Für heute habe ich mir vorgenommen, die Festung zu verlassen. Aragorn hatte zwar ausdrücklich verboten, die Feste zu verlassen, aber ich werde es trotzdem tun. Wenn ich noch länger in dieser Stadt sitze, drehe ich durch. Mir fehlt die Freiheit, dass zu tun, was ich gerne machen will. Heute nun werde ich selbst auskundschaften, welch Plan die Orks wohl haben.
Ich glaube nicht, dass Boromir es gut heißen würde, wenn ich allein gehe. Sicher würde er mitkommen wollen. Aber es geht nicht, ich hoffe, du verstehst es wenigstens.

Dann werde ich meine Aufzeichnungen für heute beenden.

Cuio annan, lye Laielenwen
1.5.06 08:34


23. Tag nach der Jahreswende 3021

Le suilon Laylia, meleth lín!


Man mathan? Nin bado faeg.
Trotz dem ich gestern drei ihrer Späher getötet hatte, erfolgte immer noch kein Angriff von Seiten der Orks. Langsam wurden auch die Bürger Minas Tiriths ungeduldig und forderten eine rasche Entscheidung vom König. Aragorn aber hält weiter an seinen Plan. Er hat gegen Mittag bekannt gegeben, dass das Leben in Minas Tirith weitergehen soll, wie bisher. Dennoch werden überall Wachen positioniert um Alarm zu schlagen, falls sich etwas in Osgiliath rührt.
Wenigstens ist König Elessar nicht nachtragend, denn er setzte einen Vorschlag, den ich hatte, in die Tat um. Auch wir senden nun Späher aus um zu erfahren, welch Vorhaben die Orkstreitmacht plant.

Ein Teil meiner Einheit und ein Teil anderer Einheiten wurden zusammen gefügt und damit beauftragt, das Horn Gondors zu blasen, falls sich das Heer Mordors in Osgiliath auf den Weg macht. Es wurde alles genau geplant, so dass ein halbwegs normales Leben geführt werden konnte. Natürlich schwindet die Furcht nicht aus den Köpfen der Leute, aber dennoch sollen sie auf Geheiß des Königs ihre Arbeiten wieder aufnehmen.

Männer, die nicht gerade ihren Dienst als Wächter der Feste nachgingen, konnten zu ihren Familien zurück und ebenso die Frauen, die ihre Kinder bei den Alten untergebracht hatten.

Die meiste Zeit des Tages hatte ich heute damit verbracht, in meinem Zimmer zu sitzen und nachzudenken. Als ich mich an die Begegnung mit dem Nazgûl erinnerte, stellte ich fest, dass ich es nicht versucht hatte, mich zu wehren. Es war wie ein Bann, in dem ich da fest hang und zu meinen eigenen Erstaunen war dies faszinierend zugleich. Ich fühlte mich angezogen von dem vollkommenen Bösen und hatte nichts dagegen. Es war, als fühlte ich eine Verbindung zwischen mir und diesem Ringgeist, doch kann ich nicht deuten, welche. Ich spürte keine Furcht als er vor mir stand und ich weiß auch, dass er mir nichts getan hätte.
Den ganzen Tag dachte ich über dies Geschehnis nach und um mich auf andere Gedanken zu bringen, beschloss ich Éowyn in den Häusern der Heilung aufzusuchen. Ich fand sie im Garten, als sie gerade dabei war, die durch den Winter verdorrten Blüten von den Sträuchern zu entfernen. Sie lächelte mich an, als sie mich sah. "Seid gegrüßt, Laielenwen! Lange ward ihr nicht hier!"
"Es war nicht meine Absicht, aber die Dienste der Feste zwangen mich dazu." Antwortete ich ihr und bemerkte, dass ihr lächeln nur oberflächlich war. Tief in ihren Augen konnte man erkennen, dass sie sich fürchtete.
"Noch keine Nachrichten von Faramir?" fragte ich sie in der Hoffnung, sie hätte bereits etwas von ihm erfahren. Aber ihr Blick senkte sich zu Boden und sie setzte sich auf eine der weißen Bänke in den Gärten.
"Ich dachte, Ihr könntet mir vielleicht etwas sagen, aber wie es scheint, ist dem auch nicht so. Sagt, habt Ihr schon Nachrichten von der Herrin Laylia?"
Ich setzte mich zu ihr und sah nach Osten. "Bisher habe ich noch keinen Brief von ihr bekommen, aber ich bin mir sicher, dass sie mir sofort berichten wird, wenn Faramir in Lothlorién eintrifft."
"Aber ist sind seit Faramirs Abreise 3 Tage vergangen. Er müsste längst dort angekommen sein!"
"Und ich bin mir sicher, dass er es ist, Éowyn! Aber der Briefbote braucht die selbe Zeit an Tagen noch mal bis hier her. Also warten wir erst mal ab, bevor wir uns anfangen zu sorgen." Sagte ich ihr und legte meine Hand freundschaftlich auf die ihre. Sie sah mich mit einen Lächeln an. "Ihr habt ja recht! Doch werde ich um einiges erleichtert sein, wenn es eines Tages eine schnellere Form der Überbringung von Nachrichten geben sollte!"
"Oh ja, da habt Ihr recht, Frau Éowyn, die Briefboten der heutigen Zeit sind auch nicht das, was sie einmal waren. Sie sind unachtsam, unzuverlässig und bei weitem nicht gerade die Schnellsten." Scherzte ich und bemerkte, dass es Éowyn gut tat.
Gerade als ich mich von ihr verabschieden wollte, sah ich, dass Boromir durch die Gärten lief. Er selbst nahm mich allerdings nicht wahr und so verbrachte ich ein wenig Zeit ihn zu beobachten. Als er Éowyn bemerkte, die gerade an ihm vorbei lief, blieb er stehen und grüßte sie herzlich. Sie standen eine Weile zusammen da und es schien als unterhielten sie sich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sprachen sie über Faramir, doch glaube ich nicht, dass Boromir schon Neueres wusste. Als ich jedoch sah, wie Éowyn in meine Richtung zeigte, wurde mir klar, dass Boromir wohl nach mir gesucht haben musste. Rasch wendete ich meinen Blick von den Beiden und da war es wieder! Dieses seltsame Gefühl in meinem Bauch. Auf der einen Seite fühlte ich mich unendlich glücklich, dass Boromir nach mir suchte, jedoch auf der anderen Seite fürchtete ich mich davor, ihm gegenüber zu stehen. Ich war ratlos, wusste nicht, was ich tun sollte, doch mir blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn mit schnellen Schritten kam er zu mir geeilt.
Um meine Unsicherheit nicht preiszugeben, begrüßte ich ihm in einen kühlen Ton. Doch es schien, als würde es seiner guten Laune nichts anhaben.
"Ist dies nicht ein schöner Tag heute?" fragte er mich.
Das Gefühl in meinen Bauch wurde immer stärker und die überspielte Kühlheit bröckelte langsam von mir ab.
"Wahrlich ein schöner Tag, jetzt wo wir uns sehen!" erwiderte ich und sah ihn dabei mit einen Lächeln an.
"Lass uns ein wenig gehen, ich kenne eine Stelle, da hat man eine wundervolle Sicht über das Weiße Gebirge!" sagte er.
Ich war damit einverstanden. Einerseits gespannt darauf, an welche Stelle er mich führen wollte, andererseits erinnerte ich mich an Jaromir. Es war die selbe Stelle an der ich vor nicht all zu langer Zeit mit Jaromir stand. Ich fühlte mich erleichtert, als wir die Häuser der Heilung hinter uns hatten.
Ich hatte keine Ahnung, wo Boromir mich hinführen würde, aber auf den Weg dorthin machte ich mir allerlei Gedanken. Boromir hatte nicht nur seinen Bruder Faramir zurück, sondern auch noch einen zweiten Bruder! Wie gerne hätte ich es ihm sagen wollen, doch da war ja dieser Eid, den ich Jaromir geschworen hatte. Es war wie im Kreise des Teufels. Um den einen zu schützen, muss ich es den anderen verheimlichen. Wahrlich keine angenehme Situation. Umso mehr ich darüber nachdachte, umso ärgerlicher fand ich, dass dies Jaromir von mir verlangte.
"So, hier ist es!" rief mir Boromir zu, der schon etwas weiter voraus gegangen war.
Ich staunte nicht schlecht, als ich mich umsah. Wir befanden uns immer noch im 6. Ring, doch war es ein Platz, den ich nie zuvor gesehen hatte. Trotz des kühlen Winters strahlten wunderschöne Blüten an den Bäumen und Sträuchern. Liebevoll angelegte Wege durchkreuzten den kleinen Park. Boromir stand auf einer Plattform, die mich an den vordersten Teil eines Schiffes erinnerte.
"Rasch, komm her Laielenwen, die Aussicht ist herrlich, trotz der finsteren Tage!"
Ich lies mir das nicht zweimal sagen und ging zu der Plattform hinauf bis vor an die Spitze. Mir kam es vor, als stünde ich auf einen Schiff, welches an dem Weißen Gebirge vorbei zog. Ein leichter Wind, den ich zuvor gar nicht bemerkt hatte, wedelte mir durch die Haare und ich stellte fest, dass ich leider nicht ganz schwindelfrei war, als ich an der Plattform hinunter sah. Ein leichtes Unwohlsein durchflog meinen Körper, so dass ich etwas schwindelte. Boromir schien dies zu bemerken und legte fürsorglich seinen Arm um mich. Ich wehrte mich nicht dagegen und lies ihn gewähren. Es war ein wunderschönes Gefühl so dazustehen und ich hoffte, dass dies immer so bleiben würde. Ich neigte meinen Körper leicht zurück, so dass ich mich an Boromir anlehnen konnte. Instinktiv umschlang er mich mit beiden Armen und zog mich noch näher an sich heran.
"Mein Vater sagte mir einst, dass dies der Ort war, an dem meine Mutter häufig verweilte. Faramir und ich besuchten oft diesen Ort, wenn wir an sie dachten." sagte er mit rauer, dennoch aber leiser Stimme. Sein Kopf war dem meinen sehr nahe und als ich mich zu ihm drehte, sah ich ihm tief in die Augen.
Du weißt, Laylia, ich bin kein Mensch vieler Worte und du kannst dir sicher denken, dass ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen konnte. Es wirkte alles so vollkommen und seine Augen verrieten mir, dass er es wirklich ernst meinte, mit dem was er sagte. Ich strich ihm mit meiner Hand über die Wange und ich konnte mich gegen die Gefühle die ich empfand nicht wehren.
Als Boromir mich küsste, wehrte ich mich ebenfalls nicht, im Gegenteil, ich genoss es. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir da so eng umschlungen da standen, aber es dämmerte bereits, als wir beschlossen, wieder zurück zu gehen. Boromir brachte mich noch in mein Zimmer und er verabschiedete sich mit einen langen Kuss von mir. Ich schwebte wie im Himmel, kam dennoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, denn Jaromir hatte mir eine Nachricht zukommen lassen.
Als ich sie las, stockte mir der Atem. Er hatte sich angeboten, als Späher Osgiliath auszukundschaften und war bereits schon seit Nachmittag unterwegs. Voller Fassungslosigkeit lies ich mich mit dem Brief in der Hand auf mein Bett nieder.
Ich weiß, dass ich daran schuld bin! Hätte ich ihm gestern nicht so abfällige Antworten gegeben, wäre er sicher nie auf solch einen Gedanken gekommen, dieser Narr!

Momentan durchlebe ich ein furchtbares Wirrwarr an Gefühlen. Zum einen ist es die entsetzliche Furcht vor dem großen Sturm, dass wundervolle Gefühl, sich zu jemanden hingezogen zu fühlen und zum anderen ist es die Schuld, die mich plagt, mit der ich Jaromir in Gefahr gebracht habe. All diese Empfindungen wechseln sich nacheinander ab, so dass ich fast wahnsinnig werde. Ich hoffe, dein Leben geht etwas ruhiger zu! Ich kann es gar nicht mehr erwarten endlich Nachrichten von dir zu bekommen.

Oltho vae ne fuin hen, elei velui!
Navaer Laylia!
30.4.06 00:55


22. Tag des neuen Jahres 3021



Mae govannen, holde Elbenprinzessin Laylia!

Ich soll dir herzliche Gr??e von deinen Bruder Legolas ausrichten. Er vermisst sehr, eure gemeinsamen Stunden. Heute fr?h, gleich nach Sonnenaufgang machte ich mich auf den Weg zu ihm, in der Hoffnung, dass er mir etwas mehr von dir berichten k?nnte. Leider war dem nicht so. Mir kam es vor, als w?sste er noch weniger als ich und ich verriet auch nicht mehr. Gandalf wird schon seine Gr?nde haben, warum er dies Geheimnis f?r sich beh?lt und ich m?chte ihm nicht seine Pl?ne kreuzen.
Trotzdem war es mal wieder eine besondere Erfahrung in der Gesellschaft eines Elben zu sein, welcher auch noch dein Bruder ist. Wir sprachen ?ber dies und jenes, ?ber die R?ckkehr Boromirs , ?ber den Krieg und das Warten auf den gro?en Angriff.

Gegen Vormittag dann, bin ich zur Mauer des 1. Ringes gegangen um meinen Dienst anzutreten, doch konnte ich Jaromir nirgends erblicken. Er h?tte schon l?ngst da sein m?ssen, doch es war nur Beregond zu sehen. Ich ging zu ihm. "Herr Beregond, habt Ihr den Herrn Jaromir heut schon mal gesehen?" fragte ich ihn.
"Nein." Antwortete er und sah sich unter seinen Leuten um. "Es tut mir leid, Frau Laielenwen, aber ich habe ihn gestern Abend das letzte mal gesehen."
"Lasst es gut sein, jetzt bin ich ja da und werde meinen Dienst antreten. Hat sich in der Nacht irgend etwas getan?" fragte ich ihn und sah dabei in Richtung Osgiliath. Es schien beinahe friedlich wie es da lag, an den Ufern des Anduin. Nichts deutete darauf hin, dass die Stadt von einem 10.000 Kopf starken Orkheer belagert wurde.
"Nein, nichts Herrin. Noch nicht einmal Sp?her wurden die Nacht ausgesandt."
Ich drehte mich zu Beregond um und sah ihn an. "Ich frage mich, was Mandos vor hat. Er spielt ein Spiel mit uns... Mein Herr Beregond, bitte verzeiht mir, aber k?nnten sie noch ein Weilchen ohne mich auskommen? Ich muss unbedingt mit dem K?nig sprechen." Flehte ich ihm aufgeregt an.
Ich konnte mir das alles nicht mehr l?nger mit ansehen. Die Leute lebten schon seit Tagen eingepfercht und auf engstem Raum in den obersten 4 Ringen und hofften auf ein Ende, doch nichts geschah. Es blieb mir keine andere M?glichkeit als mit dem K?nig zu reden. Ich stieg auf Rotfuchs und eilte in den 7. Ring.
Dort angekommen stellte ich fest, dass auch Mithrandir und Boromir anwesend waren, letzterer bereitete mir zwar ein ungutes Gef?hl im Magen, aber ich musste trotz allen zu Aragorn.
Als ich am Wei?en Baum vorbei lief, stellte ich fest, dass die immerw?hrenden Bl?ten des Baumes verdorrten und auf den Boden fielen. Doch konnte ich nicht weiter dar?ber nachdenken, denn ein kreischendes, furchtbar lautes Ger?usch zog sich ?ber die Festung.
"NAZG?L!" h?rte ich Boromir rufen und als ich mich umsah, sah ich sie. Es waren derer 5 und sie kamen auf ihren Flugtieren. Voller Entsetzen zog ich mein Schwert, doch wusste ich, dass ich damit nicht gro? etwas anrichten konnte. Von unten sah man die Leute, wie sie kreischend ?ber die Stra?en liefen, auf der Suche nach einen sicheren Versteck. Gandalf und Aragorn, die bereits schon in der Halle des K?nigs waren, kamen hinaus gerannt und sahen zum Himmel.
Ich stand da wie erstarrt, der Ringgeist schwebte mit seinen Monster direkt vor mir und sah mich an. Es war wie eine L?hmung und ich konnte nichts dagegen tun. Ich sah, wie er seinen Arm nach mir ausstreckte, doch habe ich mich nicht dagegen gewehrt. Ich kam wieder zur Besinnung, als der Nazg?l quiekend aufschrie und davon flog. Boromir hatte ihm ein Pfeil in das Herz gebohrt.
Er kam danach auf mich zu und fragte "Geht es dir gut? Was war denn los? So wie ich dich kenne, h?ttest du ihm den Kopf abgeschlagen ohne auch nur mit der Wimper zu zucken."
Ich sah ihn verwirrt an. "Ich wei? nicht, es war... es war, als w?re ich in seinen Blicken gefangen."
Boromir legte mir seine Hand auf die Schulter. "Nun lass uns rein gehen!"
Drinnen angekommen, h?rte ich, wie Aragorn zu Gandalf sagte "Warum haben sie nicht angegriffen? Es w?re eine g?nstige Gelegenheit gewesen."
Dies war meine Gelegenheit das loszuwerden, was mir auf der Zunge brannte. "Mandos spielt ein Spiel mit uns." Begann ich. "Er hat uns wie wildes Getier in eine Ecke getrieben und nun wartet er ab. Er schickt Sp?her aus um zu erkunden, welch Plan wir haben, doch eigentlich ist es ihm gleich. Aragorn, die Menschen dieser Festung leben schon seit mehreren Tagen voller Furcht und auf engsten Raum und warten auf das Ende." Ich sah ihn eindringlich an.
"Welches Ende? Es wird kein siegreiches Ende f?r uns geben, wenn wir uns au?erhalb der Feste stellen. Mandos wei? ganz genau, dass wir nicht die Kraft dazu haben, einen offenen Krieg zu k?mpfen. Die Festung ist unsere einzige Hoffnung!"
Ich merkte, wie meine Stimme lauter wurde. "Wie lange werden wir noch Kraft dazu haben, hier unser Dasein zu fristen? Minas Tirith ist schon lange keine Festung mehr, mein Herr Aragorn... sie ist ein K?fig!"
"Und was sollen wir machen, deiner Meinung nach, Laielenwen?"
Ich konnte die Unsicherheit in Aragorns Augen sehen und es ber?hrte mich zutiefst einen Mann so edler Herkunft so zu sehen.
"Lasst uns nach Osgiliath reiten!" schlug ich vor und war voller Staunen, dass mir dieser Gedanke so leicht von den Lippen kam. Wusste ich doch von Anfang an, dass Aragorn gegen diesen Plan war.
"Ich lasse meine M?nner nicht in den Tod reiten..."
"... ob sie in Osgiliath sterben, oder hier. Spielt das denn jetzt noch eine Rolle? Sterben werden sie sowieso." Unterbrach ich ihn.
"Ich glaube, du hast vergessen, dass der K?nig von Gondor vor dir steht, Laielenwen! Du kennst meine M?nner, deren Kampfgeist ist erloschen, es w?rde das Ende der Menschheit werden."
"Mir scheint, als w?re dein Kampfgeist ebenso erloschen, Aragorn. Und wenn es das Ende der Menschen Gondors ist, dann lass es ein Ende sein, an das sich jeder erinnern wird! Lass uns den dreckigen Horden Mordors zeigen, dass wir uns nicht wie wilde Tiere in einen K?fig sperren lassen!"
Aragorn setzte sich auf einen der St?hle an den Tisch und st?tzte den Kopf mit seinen Armen. Endlich ergriff auch Gandalf das Wort. "Laielenwens Gedanken sind nicht unrecht, Aragorn. In gewisser Weise hat sie sogar recht, dennoch liegt es an dir zu entscheiden, was getan wird!"
"Also ich finde, das M?del hat recht! Schlagen wir den Mistkerlen die K?pfe ab!" dr?hnte eine Stimme aus der Eingangshalle. Es war Gimli, der mit Legolas in die Hallen der K?nige kam.
"Wir bleiben in der Festung! Sie ist unser einziger Schutz!" Waren des K?nigs letzte Worte und ich fand keinen Anlass noch l?nger in den Hallen zu bleiben.

Voller Wut und Emp?rung sattelte ich Rotfuchs und ritt in den 1. Ring. Ich sah Jaromir, der mir freundlich entgegen kam.
"Wo ward Ihr denn heute Vormittag? Es war Euer Dienst, den Beregond ?bernehmen musste!" Donnerte ich ihm unfreundlich entgegen, dennoch strahlte er mich an.
"Ich bitte um Entschuldigung, aber ich musste zum Schmied. Seht her! Ist es nicht ein wundersch?nes Schwert?" Stolz hob er es mir entgegen, doch anstatt mich dar?ber zu freuen, bekam er wieder eine ?bellaunige Antwort von mir.
"Ja, wirklich ein sehr bezauberndes Schwert, doch wird es wohl nie zum Einsatz kommen werden, es sei denn Ihr stecht Euch selbst damit ab!"
Ohne ein Wort zu sagen, schaute er mich an, doch ich widmete ihm keinen einzigen meiner Blicke, statt dessen sah ich, dass von Osgiliath aus, eine Truppe Sp?her ausgesendet wurden. Voller Zorn achtete ich weder auf Beregond, noch auf Jaromir. Ich nahm meinen Bogen und zielte mit dem Pfeil direkt auf den Ork. Mit einen kurzen >>Zisch<< flog der Pfeil davon und traf den Feind direkt ins Herz. Ich wiederholte dies noch bei den drei weiteren Sp?hern und sagte "Seid gewarnt, ihr Mistkerle, hier gibt es noch welche, die sich noch nicht mit dem Ende abgefunden haben!"
Ohne noch ein Wort zu sagen, setzte ich meinen Dienst noch bis zum Sonnenuntergang fort. Auch Jaromir sagte kein einziges Wort.
Kurz vor Mitternacht, als Beregond von seiner Pause zur?ck kam, konnte auch ich mich endlich zur Ruhe legen. Bevor ich aber in mein Zimmer eilte, ging ich noch einmal zu Beregond und gab ihm meine Pfeile.
"Hier nehmt sie! Falls ihr einen Sp?her sehen solltet, so t?tet ihn!"
"Kommt der Befehl vom K?nig, meine edle Dame?" fragte mich der Hauptmann verwundert.
"Nein, er kommt von mir!" antwortete ich ihm und ging davon.

Nun sitze ich hier und schreibe dir diesen Brief, liebe Laylia!
Jetzt im Nachhinein finde ich es schamlos von mir, meine ganze Wut an Jaromir ausgelassen und mich den Befehlen Aragorns wiedersetzt zu haben. Aber ich war so voller Zorn und er stand da und freute sich wie ein kleiner Junge ?ber sein neu geschmiedetes Schwert... Ich wei?, es ist keine Entschuldigung f?r mein Verhalten, aber ich kann es momentan nicht anders.

Losto vae! Be iest lin!
26.4.06 16:18


21.01.3021, 3. ZA

Alae Laylia!


Heute nun weiß ich wahrlich nicht, wie ich meine Aufzeichnungen beginnen soll. Es ist kaum zu glauben, welch seltsame Geschehnisse an dem heutigen Tage passiert sind. Die Sonne ist bereits unter gegangen und selbst jetzt bin ich noch ganz aufgeregt vor lauter Neuigkeiten!

Nun denn, um nicht um den heißen Brei herum zu schreiben, werde ich am besten beginnen, von Anfang an zu schreiben.

Noch vor Sonnenaufgang zog es mich aus dem Bett. Seltsamerweise hatte ich trotz der bevorstehenden Schlacht einen tiefen und erholsamen Schlaf. Zur ausgemachten Zeit traf ich mich mit Mithrandir am Tor des ersten Ringes. Wir sprachen über einen Plan, wie wir die Orks von der Feste fern halten können und unsere Augen wanderten ständig in Richtung Osgiliath, aber es geschah nichts. Wir haben Stunden gewartet, doch kein Angriff der Orks fand statt. Die meisten Wachen verließen dennoch nicht ihre Posten, denn kein Mensch war sich im Klaren, welcher Taktik die Horden Mandos´s wohl nachgingen. Aragorn meinte bei einem Gespräch, dass sie sicher die Absicht haben uns heraus zu locken. Die meisten aber waren gegen diesen Gedanken, war doch die Festung unsere einzige Verteidigung. Trotz alledem, fanden sich im Laufe des Tages dennoch Soldaten, die der Meinung waren, dass es besser wäre sich zu formatieren und dann nach Osgiliath zu reiten.
Gandalf meinte, es sei Teil des Planes gewesen, dass sich die Meinungen der Krieger Gondors teilen. In mancher Sicht gebe ich den Leuten recht. Wir können nicht ewig hier herumstehen und auf den ersten Schlag warten. Es mag der Zeitpunkt kommen, in dem wir müde und erschöpft sind und sicher wird dies die Stunde sein, die Mandos´s Heer herbei sehnt.
Es ist so furchtbar momentan. Zehntausende Orks belagern Osgiliath und es ist ungewiss, wenn der Angriff auf Minas Tirith statt findet.
Von weitem kann man das Brüllen der Warge und das Brummen der Trolle hören, wahrlich keine friedlichen Geräusche. Ab und zu umkreisen einige Wargreiter die Festung, halten sich aber stets an einen gewissen Abstand. Es sind Späher, die uns auskundschaften sollen.

Gegen Mittag traf ich Jaromir. Er befehligte den Bogenschützen nicht von ihren Posten zu weichen. Als er mich sah, kam er auf mich zu.
"Ich verstehe das Ganze nicht, warum greifen sie uns nicht an?"
"Sie wollen uns herauslocken, jedenfalls ein paar von uns. Sie wissen ganz genau, dass Aragorn nie außerhalb der Feste angreifen wird, doch rechnen sie mit Widerstand unter seinen Männern." antwortete ich ihm. Er sah sich um und deutete auf eine kleine Gruppe Soldaten, die sich in einen leer geräumten Haus niedergelassen hatten. "Sieh! Die ersten Gruppen bilden sich schon."
Ich sah mit Entsetzen, dass die Soldaten arg miteinander diskutierten und sagte voller Hoffnungen zu Jaromir "Wollen wir hoffen, dass sie ihrem König vertrauen. Viele Kriege hat er bereits gefochten und hat stets einen Sieg erringen können."
"Wollen wir annehmen, dass sie genauso denken, wie Ihr, Laielenwen. Vor einigen Minuten kam übrigens ein Reiter vorbei, dessen Herkunft ich nicht deuten konnte. Seine Name war Ingold und er fragte nach Euch!"
Ich sah Jaromir irritiert an. "Ingold? Für wahr, ich hatte eine seltsame Begegnung mit ihm. Sagt, was wollte er von mir?"
"So genau hat er das nicht gesagt. Er sagte nur, dass Ihr so schnell wie möglich zu Aragorn in den 7. Ring kommen solltet. Er erwartet Euch dort."
"Zu Aragorn? Aber ich kann hier jetzt nicht weg. Schon den ganzen Vormittag war ich fast nur unterwegs, was sollen meine Männer von mir halten?"
Jaromir sah mich an und lächelte. "Geht! Ich werde die Stellung halten. Sicher ist es was Dringliches."
Ich nickte Jaromir zu. "Habt Dank, mein Freund! Ich werde so schnell zurück kehren, wie nur möglich ist."
Ich war dankbar für Jaromirs Hilfsbereitschaft. Noch nie habe ich jemanden getroffen, der sich so sorgsam und treu jemanden gegenüber verhält. Wahrlich ein sehr, sehr edler Mann von hohem Wert!

Ich stieg auf mein Pferd Rotfuchs, da es zu Fuß vom 1. bis zum 7. Ring eine enorme Wegstrecke ist. Es war mir ein Rätsel, was dieser Ingold auf einmal wollte und dann auch noch bei Aragorn. Wahrscheinlich kannten sie sich, anders konnte ich es mir nicht erklären.
In der Halle des Königs angekommen, sah ich, dass fast alle versammelt waren. Aragorn, Gimli, Legolas, Mithrandir, Ingold und noch ein anderer Mann, der sein Gesicht unter einer dunkelgrünen Mantelkapuze versteckte. Es musste ein Elb gewesen sein, denn es schien, als trug er einen Elbenmantel. Auch konnte ich eine Brosche der Elben an seinem Mantel entdecken, die ich bisher nur aus Lothlórien kannte.
Ich setzte mich neben Gandalf und wartete gespannt darauf, dass irgend etwas passierte. Ingold stand schließlich auf.
"Mein König!" sprach er und verbeugte sich. Aragorn nickte ihm zu. "Es ist mir eine Ehre, Gast in den Hallen des Königs zu sein, doch komme ich mit Absichten, die Euch in diesem Krieg vielleicht weiter helfen könnten!"
Wir sahen alle auf Ingold und in den Augen der anderen konnte ich sehen, dass sie ebenso gespannt waren wie ich.
"Nun sagt schon endlich, was ist der Anlass Eures Kommens?" fragte der Zwerg ungeduldig und der genervte Blick Legolas´s über diese Bemerkung ist auch selbst mir nicht entgangen.
"Mein Freund ist ebenso ein Freund von euch, meine Herren und meine Herrin. Schon als der Ringkrieg aufzog habt ihr ihm euer Vertrauen geschenkt. Es ist sicher eine Überraschung für alle von euch, wenn ihr nun erfahrt, wer nach Minas Tirith zurück gekehrt ist!"
Dieser Ingold machte es mehr als nur spannend und selbst Gandalf sah man an, dass er langsam genervt war. "Nun sprich schon, du Narr! Wir stehen im Krieg und haben keine Zeit für alberne Spielereien."
Und dann geschah es! Laylia, du wirst es nicht glauben, denn ich konnte meinen Augen selbst nicht trauen, aber unter der Kapuze des Elbenmantels verbarg sich Boromir!!!
Der Zwerg fand als erster seine Worte wieder. "Ich dachte, du seiest tot! Ha ha, das hast du ja ganz schön listig angestellt. Seilst dich heimlich, still und leise ab und lässt uns die ganze Arbeit im Ringkrieg. Ich werde dir den Kopf abhacken dafür!"
Mit einer gespielt ernsten Mine, zog er seine Axt und schlug in die Luft. Ein herzliches Lachen über die Rückkehr Boromirs konnte er sich allerdings nicht verkneifen. Dein Bruderherz saß wie immer ganz ungerührt da, doch konnte ich in seinen Augen erkennen, dass auch er verblüfft war, aber es keinem zeigte. Alle waren darüber erfreut, Boromir wieder zu sehen und auch er lächelte, als er sich umsah. Er nickte und sagte "Mein König!" als er Aragorn sah, begrüßte jeden freundlich in dem er ihn ein strahlendes Lächeln entgegen brachte. Als sein Blick bei mir angekommen war, verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Ich kann dir nicht sagen, ob es daran lag, dass ich erst einmal ziemlich verblüfft war wegen dieser seltsamen Begebenheit und viel zu Erstaunt für ein Lächeln war oder ob es tatsächlich an mir lag.
Aragorn ergriff schließlich das Wort. "Aber wie ist das möglich? Du bist gefallen! Wir haben dich in eines der Boote auf den Anduin bestattet. Selbst dein Bruder Faramir hat das Boot mit deinem Leichnam im Fluss an sich vorüber schwimmen sehen."
Anstatt eine Antwort von Boromir zu erhalten, fing Ingold mit erzählen an. Ich bemerkte den Grund Boromirs Abwesenheit. Schon eine ganze Weile starrte er in meine Richtung und hoffte auf ein freudiges Lächeln von mir über seine Rückkehr. Doch waren meine Gedanken noch nicht bereit dazu, diese Neuigkeiten aufzunehmen. Gerade erst vor ein paar Tagen lernte ich Jaromir, Faramirs Zwillingsbruder kennen und nun taucht auch noch Boromir wieder auf. Wahrlich waren es erfreuliche Nachrichten und umso mehr ich darüber nach dachte, umso mehr wurden mir die letzten Worte der Vorraussagung bewusst. >Die Söhne Gondors sind zurück gekehrt!"< hieß es und ich begriff nun, was damit eigentlich gemeint war, doch schien es mir zu dieser Stunde noch nichts davon zu berichten. Noch zu jung war die Freude über Boromirs Auftauchen und auch mir wurde langsam klar, dass nun bald alle drei Söhne Denethors wieder vereint sein könnten. Mithrandir konnte spüren was ich dachte und lächelte mir zu. Auch er war sich dessen bewusst, dass es nun eine viel größere Hoffnung für einen Sieg gab. Vier Männer Gondors, die Seite an Seite kämpfen, damit konnte selbst Mandos nicht rechnen.
Aber nun will ich dich nicht länger auf die Folter spannen und dir Ingolds Worte berichten:
"Ja, mein König, Ihr habt recht! Für wahr, auf den ersten Blick sah es wirklich so aus, als wäre der Herr Boromir tot. Ich selbst dachte, dass er nicht mehr am Leben sei, als ich sein Boot an den Stränden von Belfalas fand. Ich wollte dem Wächter des Weißen Turms einen Gefallen erweisen und ihn an einer ehrwürdigen Stätte begraben, doch als ich ihn aus dem Boot nahm, bemerkte ich, dass sein Körper warm war. Völlig überrascht brachte ich ihn zu einer alten Heilerin, die in unseren Dorf lebt und sie meinte, dass er nur in einen längeren Tiefschlaf gefallen sei, welcher durch starken Blutverlust manchmal vorkommt. Sie zog die Pfeile aus seinem Körper, was nicht einfach war, da sie nach so langer Zeit schon fast angewachsen waren. Doch die Heilerin verstand was sie tat und es dauerte auch nicht lange, bis die Wunden heilten. Nach einigen Wochen kam Boromir zu Bewusstsein, konnte sich allerdings an nichts mehr erinnern. Erst ein paar Monate später erlangte er sein vollständiges Gedächtnis wieder. Er wollte schon viel früher wieder nach Minas Tirith, doch mein Vater konnte ihn davon überzeugen, dass er es zu einen anderen Zeitpunkt tun sollte. Boromir hielt die herannahende Schlacht mehr als passend und so sitzen wir nun hier."
"Wahrlich eine unglaubliche Geschichte, selbst dem Weißen Zauberer ist sie entgangen!" sagte dein Bruder Legolas und auch ich war nun voller Freude hin und weg.
"Gehen wir einen Trinken!" warf der Zwerg ein und stupste Legolas in die Seite. Nun kam auch endlich mal Boromir zu Wort. "Nun ist´s genug mit dem Geschwätz! Sagt meine Freunde, wo ist mein kleiner Bruder?"
"Er hat sich gestern auf den Weg nach Lothlórien gemacht." antwortete Aragorn.
"Nach Lothlórien?" fragte Boromir verwundert. "Was will er dort?"
"Er reitet an meiner statt. Mein Auftrag war es ursprünglich nach Lothlórien zu reisen, aber ich kann Minas Tirith nicht während einer Schlacht verlassen." berichtete Aragorn und erzählte von den Geschehnissen, die in Boromirs Abwesenheit stattfanden.
Es vergingen noch mehrere Stunden. Gandalf und die anderen berichteten Boromir alles was sie wussten und zwischendurch wurden auch mehrere Krüge Bier geleert. Als sich Aragorn und Boromir zurück zogen, fand auch ich es an der Zeit, wieder an meinen Posten zurück zu kehren. Jaromir stand an einen der Katapulte und erzählte mit Beregond. Alles schien ruhig zu sein.
Als ich von der Mauer sah, bemerkte ich, dass kein einziger Ork zu sehen war. Sie mussten sich direkt nach Osgiliath hinein zurück gezogen haben und ich wundere mich, was sie wohl vor haben.

Ich blieb mit Jaromir bis kurz vor Sonnenuntergang auf der Wachmauer. Beregond meinte, wir sollten uns ein wenig ausruhen, er würde uns sofort Bescheid geben, wenn sich in Osgiliath etwas rühren würde. Ich war sichtlich erleichtert über den Gedanken ein wenig Ruhe zu finden. Diese ganze ungewisse Warterei ist schlimmer, als die Schlacht selbst. Sie zehrt nicht nur körperlich sondern wahrlich auch nervlich.
In meinen Zimmer angekommen, stellte ich fest, dass ich Jaromir seit ich von Boromirs Kommen wusste, gar nicht mehr beachtet hatte. Ich war so erfreut und in Gedanken darüber, dass ich vollkommen vergaß ihm davon zu berichten.
Im Nachhinein schäme ich mich nun für dieses Verhalten, war mir doch Jaromir ein offenherziger und treuer Freund geworden. Doch ich hatte kaum Zeit darüber nachzudenken, denn kaum in meinem Zimmer angekommen, klopfte es auch schon wieder an der Tür. Ich war wahrlich erstaunt, als ich sah, dass es Boromir war.
"Darf ich rein kommen?" fragte er mich und ich nickte ihm freundlich zu.
"Es ist schön dich wiederzusehen. Setz dich!" sagte ich zu ihm, doch er entschied sich dafür, lieber stehen zu bleiben.
"Warum freust du dich nicht über meine Rückkehr?" fragte er mich plötzlich.
Vor lauter Verwunderung über dieser Worte, wusste ich gar nicht, was ich sagen sollte. "Wie... wie kommst du denn darauf? Natürlich freue ich mich."
Und dann, als er so vor mir stand, erkannte ich erst mal den wahren Grund seines Kommens. Da stand er nun, Boromir, ein edler, guter Kämpfer. Faramir und Jaromir sehr ähnlich, dennoch anders. Er strahlte etwas aus, was ich nicht beschreiben kann. Etwas mutiges, großartiges, was ich außer bei Aragorn noch bei keinem anderen gesehen hatte. Dies war der feine, aber bestimmende Unterschied zwischen ihm und seinen Brüdern. Ich weiß, das er schon früher in mich vernarrt war, doch war ich eher an Faramir interessiert und nicht an ihm. Doch nun war alles ganz anders, denn irgendwie imponierte er mir. Ein wahrer Nachkomme Númenors gar keine Frage.
"Kannst du dir denn gar nicht denken, warum ich gekommen bin?" fragte er und riss mich dabei aus meinen Gedanken.
"Natürlich kann ich es mir denken, aber..."
"Warum willst du mich nicht? Ich weiß... du hattest schon immer mehr Augen für Faramir als für mich, aber bin ich denn weniger wert als er? Bin ich nicht gut genug für dich? Ich habe von Ingold erfahren, dass du in Minas Tirith bist. Es ist einer der Gründe, warum ich gerade jetzt hier her zurück kehrte."
"Du hast Ingold hier her geschickt, dass er..."
"Ja, dass er dich suchen soll. Ich habe als einer der Gefährten Frodos versagt, wegen mir wäre beinahe ganz Mittelerde verloren gewesen, aber ich bin kein schlechter Mensch..."
Ich ging zu Boromir, streichelte mit meiner Hand seine Wange und lächelte ihn an. "Nein, du bist kein schlechter Mensch. Es wurde niemals behauptet, dass du einer seiest. Es war der Wille des Ringes, der dich zu diesen Taten zwang, nicht der deine!"
Er nahm meine Hand in die seinen und sah mir tief in die Augen. "Ich hatte viel Zeit und Ruhe in den letzten Monaten. Zeit und Ruhe, die ich damit verbrachte über alles nachzudenken. Ich musste sehr viel an den Tod meines Vaters, an Faramir, an dich und daran denken, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich dich viel eher davon überzeugt hätte, dass ich sehr wohl auch ein edler Mann bin."
"Daran habe ich nie gezweifelt."
Noch immer hielt er meine Hand fest in seinen Händen, doch nun löste er sich von mir und ich spürte, wie ernst er es meinte, was er sagte.
"Nun denn, es ist spät, die Sonne ist bereits untergegangen. Es ist besser wenn ich jetzt gehe." Sprach er und als er zur Tür hinaus wollte, drehte er sich noch einmal um, sagte aber nichts.

Ich kann dir nicht beschreiben, was in mir in diesen Moment vorgeht. Momentan zweifle ich an mir selbst und an all dem was wir hier tun. Es geht eine Veränderung in mir vor, die ich nicht aufhalten kann. Ich fühle mich zu Boromir hingezogen, vermag es mir aber selbst nicht eingestehen. Ein weiser Rat Mithrandirs könnte mir sicher weiter helfen, doch hat er sicher andere, wichtigere Dinge zu tun in dieser Zeit. Es bleibt wahrlich nichts anderes übrig, als das ich mich selbst meinem Problem stelle. Es ist für wahr an der Zeit nun endlich einen Mann zu finden und es scheint mir auch gut zu gehen in Boromirs Gesellschaft, doch anderer Seits, bin ich stolz über mein unabhängiges Dasein, was ich keinesfalls missen möchte.

Voller Sehnsucht warte ich bereits auf deinen nächsten Brief. Möge ihn der Bote mir heil übergeben.
Ein Bote des Königs wurde losgeschickt um Faramir die Nachrichten zu überbringen. Leider habe ich ihn verpasst, sonst hättest du schon eher von mir gehört. Nun denn, mir fallen schon die Augen zu. Zum Fenster dröhnt das wilde Geheule der Warge hinein, nicht gerade ein Geräusch für einen friedlichen Schlaf.

No tiriel!
25.4.06 10:36


Minas Tirith, 20. Tag nach der Jahreswende 3021

Mae govannen Laylia, mellon nin!


Es ist gerade Mitternacht und die Spannung in Minas Tirith wächst. Heute war es nicht ganz so ruhig in der Stadt. Erste Wachen wurden dazu beordert, ihre Stellungen einzunehmen um einen eventuell unerwartenden Angriff abzuwehren.
Mein Schlaf letzte Nacht war nicht ganz so gut, so dass ich heute Früh schon kurz vor Sonnenaufgang aufstand. Mein erster Weg führte mich zu König Aragorn. Bisher wurden mir keine Männer zugewiesen und ich wollte ihn daher fragen, in welch Reihe ich kämpfen soll.

Im siebenten Ring angekommen, sah ich, dass Faramir gerade bei Aragorn stand. Ich griff nach dem Brief in meiner Manteltasche und ging auf die beiden zu. Faramir empfang mich mit einen Lächeln, dass mir Gänsehaut bereitete. Um von der unangenehmen Situation abzulenken, fragte ich den König ob er ein wenig Zeit für ein Gespräch hätte. Er nickte und sah mich freundlich an, doch konnte ich in seinen Augen sehen, dass ihm etwas anderes, viel schlimmeres bedrückte. Vielleicht würde ich bei dem Gespräch ja mehr erfahren, dachte ich mir.
Kurz, bevor ich ging, drückte ich Faramir deinen Brief in die Hand und sagte ihm, dass er ihn dir überbringen solle. Er nahm ihn an sich und steckte ihn in seine Manteltasche.
„Er wird heil bei seinem Empfänger ankommen.“ sagte er und fügte hinzu. „Falls Ihr Frau Éowyn sehen solltet, sagt ihr von mir, dass ich sie liebe und schon bald wieder zu ihr zurück kommen werde.“
Nun wurde mir die ganze Situation erst einmal bewusst! Faramir machte sich auf den Weg nach Lothlórien und ich kam mit so einen lächerlichen Brief daher. Niemand war sich sicher, ob der Hauptmann je den Wald Galadriels erreichte, musste er doch den Weg nehmen, den auch die Feinde nahmen. Mir tat es im Herzen weh, daran zu denken, dass auch Jaromir seinen zweiten Bruder verlieren könnte, ohne das jener weiß, dass Jaromir existiert. Wie gerne hätte ich es Faramir in dieser Situation gesagt, doch der Schwur es keinem zu erzählen, hielt mich davon ab, statt dessen antwortete ich. „Ich werde es Eurer Frau Gemahlin ausrichten!“
„Habt Dank! Schildmaid Gondors!“ antwortete er und stieg auf sein Pferd.
„Hier! Nimm das!“ sagte Aragorn und überreichte Faramir einen Elbenmantel. „Leg ihn an und du wirst in gefährlichen Situationen vor dem Feind ungesehen bleiben. Es ist ein Geschenk Arwens, sie hat ihn eigens für dich genäht. Reite schnell und blicke nicht zurück! Bitte Éomer um Hilfe! Allein kann Gondor diesen Krieg nicht abwehren. Geh!“
Faramir bedankte sich aufrichtig für das großzügige Geschenk und ritt los. Eine Träne lief mir über die Wange, als er durch das Tor des letzten Ringes ritt. Ich lief zur Mauer und sah ihm hinterher.

Da zog er nun davon, Faramir, Denethors Sohn und es war ungewiss ob er je wieder zurück kommen wird. Aragorn stellte sich neben mich und sah ebenfalls über die Mauer. Man konnte deutlich spüren, dass auch er sich um seinen Hauptmann sorgte. Sein Blick wanderte langsam von Faramir hinüber nach Osten. Rauch stieg auf über Mordor und man konnte das Herannahen des Feindes förmlich spüren. Dunkle Wolken bedeckten den Himmel, schwärzer als sie Mittelerde je gesehen hatte. Von unten hörte man die Worte von Leuten, die ihrem Statthalter hinterher liefen. Als er den ersten Ring erreichte, bildeten die Menschen eine Gasse, durch die er durchritt mit seiner Leibwache, die ihn bis zum Tor geleitete. Frauen warfen ihm Blumen hinterher und Kinder winkten ihm zu, sich dessen nicht bewusst in welche beinah hoffnungslose Fahrt er sich da begab. Ganz unten am Tor konnte ich einen kleinen weißen Punkt erkennen. Es musste sicher Gandalf gewesen sein, der sich von Faramir verabschiedete.
„Laielenwen?“ Aragorn riss mich aus meinen Gedanken. „Nun komm, gehen wir hinein!“
Ich folgte ihm bis in den Thronsaal des Königs und setzte mich an einen Tisch. Elessar setzte sich mir gegenüber.
„Verzeiht mein König! Aber ich bitte darum mir zu befehligen, in welch Ring ich kämpfen soll!“ sprach ich.
„Warum auf einmal so förmlich junge Dame? Du hältst dich doch sonst nicht an die Umgangsregeln gegenüber eines Königs. Was verschafft mir die Ehre?“ Er lächelte mich an und es tat gut ihn auch mal in einer entspannten Situation zu erleben.
„Du hast recht Streicher, warum so förmlich. Aber nun sag endlich, welch Ring wird meiner sein? Wenn es nach mir gehen würde, was natürlich nicht der Fall ist, würde ich mich gerne an den Verteidigungsanlagen des ersten Ringes sehen. Sozusagen an vorderster Front!“
Aragorn nahm sich einen Kelch Met und setzte zu einem großen Schluck an. „Verteidigungsanlagen im ersten Ring? Der Hauptmann dort ist Beregond. Du hast Glück, denn er fragte bereits nach einen weiteren Hauptmann, denn es sei unmöglich all seine Männer von einem befehligen zu lassen. Es wäre taktisch klüger einen weiteren einzusetzen, da man die Streitkräfte dann aufteilen könnte. Linke und Rechte Formation, verstehst du?“
„Nein!“ antwortete ich und musste mir doch selbst eingestehen, wie sehr ich die Zeit mit Streicher vermisste, als ich mit ihm durch die Wälder zog. „Natürlich verstehe ich was du meinst, du verdammter Narr!“ scherzte ich herum. „Wie viele sind es denn, die unter meinen Befehl stehen?“
„50 Soldaten, darunter auch einige Frauen.“ antwortete Aragorn.
„So sei es! Die Verteidigungswerke der linken Seite gehören mir! Wollen wir doch mal sehen, ob die Horden Mordors es wagen, an Laielenwen, der gefürchteten Kriegerin Gondors vorbeizukommen! Aber sag, welchen Befehl hast du Jaromir erteilt?“
Ich bemerkte, wie Aragorn einer Bediensteten anwies, den Krug mit Met nachzufüllen und schüttelte mit dem Kopf. „Du lebst ganz schön auf dem hohen Ross, mein Lieber. Früher, als du dein Leben als Waldläufer geführt hast, hast du das Wasser aus dem Fluss gesoffen und nun bist du nicht einmal mehr dazu in der Lage, dir selbst den Kelch nachzufüllen."
Diese Bemerkung konnte ich mir wahrlich nicht verkneifen. Aragorn grinste mich an und zu meinem und der Bediensteten Erstaunen, griff er zum Metkrug und trank da raus, setzte ihn aber ebenso schnell wieder ab, als Arwen zur Tür hinein kam.
„Es liegt an Arwen...“ flüsterte er mir zu „...die Eigenheiten der Elben färben ab.“
Ich nickte ihm verständnisvoll zu und erinnerte ihm noch einmal an die Frage, die ich ihm gestellt hatte.
„Jaromir? Nun, da ich von Gandalf erfahren habe, dass ihr euch sehr gut miteinander versteht, würde ich ihn dir zuteilen. Er ist ein guter Bogenschütze und mit dem Schwert weiß er auch umzugehen.“
Ich erinnerte mich an das Schwert Ecthelions, was Jaromir nun bei sich trug.
„Weise Entscheidung, hätte ich nicht besser treffen können.“ Erwiderte ich darauf und wendete mich zu Arwen. „Was ist mit Euch, meine Herrin? Werdet Ihr mit in die Schlacht ziehen?“
Sie setzte sich zu uns. „Auch wenn Aragorn es nicht für richtig hält, so werde ich trotzdem kämpfen. Zwar habe ich mich für ein menschliches Leben entschieden, dennoch ist es mein Volk, welches der Feind vernichten will. Es ist nur ein Mittel zum Zweck, dass Gondor angegriffen wird, besitzen wir doch dieser Zeit, die stärkste Armee Mittelerdes. Der eigentliche Schlag geht gegen die Elben und das kann und darf ich nicht zulassen!“
Ich spürte, dass dies ein Thema der beiden war, über welches sie sich noch nicht einig waren und beschloss von etwas anderen anzufangen. „Aragorn! Hast du bereits erfahren, wann Legolas und Gimli hier eintreffen werden?“
Der König war mir sichtlich dankbar für meinen Themawechsel und antwortete:
„Eintreffen werden? Die beiden sind schon längst da! Hättest du dich gestern Abend nicht in der Stadt rumgetrieben, so hättest du es bereits gemerkt!“
„Nun denn, man kann ja nicht immer zur Stelle sein, nicht wahr?...“ Ich stockte, mir kam da so ein Gedanke und es brannte mir auf der Zunge. Ich konnte gar nichts anderes als fragen. „Aber nun mal etwas anderes. Sag mal Streicher, ich habe vorhin Faramirs Schwert gesehen, es ist nicht dies seines Vaters. Wenn er nicht im Besitz Ecthelions Schwert ist, wer dann?“
Aragorn sah mich irritiert an. „Wie kommst du denn jetzt darauf? Soweit ich weiß, ist es das Schwert Denethors. Eigentlich besteht daran kein Zweifel.“
Nun sah ich ihn irritiert an. Wenn Faramir das Schwert seines Vaters hatte, welches Schwert trug dann Jaromir?

Ich wollte der Frage unbedingt nachgehen und verbrachte den Nachmittag damit, in der Bibliothek in den Aufzeichnungen der Schwerter nachzuforschen. Ich fand Zeichnungen von den Schwert Ecthelions, es glich dem, welches Jaromir bei sich trug, bis zur kleinsten Inschrift. Dann fand ich Zeichnungen von Denethor und nun das Seltsame, meine Liebe! Es waren zwei vollkommen unterschiedliche Ausfertigungen. Mir lies das ganze keine Ruhe und ich forschte weiter nach. Ich kramte in etlichen Aufzeichnungen Ecthelions. Ich nahm mir einen Becher Met und begann zu lesen. Ich weiß nicht, wie lange ich daran saß, es kam mir vor wie Minuten, doch waren es Stunden.
Ich stellte meinen Becher erstaunt zur Seite, als ich an eine Stelle kam, wo erwähnt wurde, dass Ecthelions Schwert bei einem Kampf zerbrach. Er lies sich ein Neues anfertigen und von Asgard (des Schwertes Namen) war nie wieder die Rede. Doch nun verrate mir, meine liebe Laylia, wie kommt der Schaft des Schwertes in die Hallen der toten Könige? Jemand muss es gefunden haben.
Als ich die Aufzeichnungen wieder an ihren Platz legen wollte, fiel mir auf, dass auf der letzten Seite etwas hinzugefügt worden ist. Es war in einer anderen Handschrift geschrieben:

Ein Schwert ward zerborsten,
Das verlorene Kind kehrt zurück,
Die letzte Schlacht wird entflammen,
Schaft und Klinge in einem Stück.

Was dem Vater verwehrt, gebührt dem Kind,
Die Saat des Bösen wird zerstreut im Wind,
Hoch im Licht das geschmiedete Schwert,
Die Söhne Gondors sind zurückgekehrt!


Ich habe keine Ahnung, wer diese Prophezeiung geschrieben haben könnte, doch dass es darin um Jaromir geht, mag ich nicht bezweifeln. Die Klinge ist für ihn bestimmt! Ich konnte diese Neuigkeit kaum glauben und musste sofort Jaromir davon berichten.
Als ich zur Tür hinaus trat, war es bereits Dunkel und ich konnte für wahr nicht glauben, dass ich 5 Stunden in der Bibliothek verbracht hatte.

Ich fand Jaromir in den Gärten der Heilhäuser. Mit dem Rücken zu mir gewand, stand er an der Mauer und richtete sein Blick nach Osten. Ich ging zu ihm und stellte mich neben ihn. Sein Blick war weiterhin auf Mordor gerichtet und er sagte: „Die Sterne sind verhüllt. Es wird nicht mehr lange dauern, bevor sie da sind, ich kann es spüren.“
Die Stille wurde durch wildes Geschrei unterbrochen. Ich sah hinunter und merkte, dass die unteren 3 Ringe komplett geräumt wurden. Alle Bewohner sollten sich in die oberen 4 Ringe begeben. Kräuterfrauen, Heiler... alle, die etwas von der Medizin verstanden, wurden zu den Heilhäusern gerufen.
Völlig erstarrt über das Entsetzen der herannahenden Dunkelheit, vergas ich, warum ich eigentlich nach Jaromir suchte. Wieder war Geschrei zu hören und als ich diesmal nach unten sah, bemerkte ich, dass die Menschen zum Weißen Turm zeigten. Dennoch konnten sich meine Blicke nicht von der Schwärze des Bösen lösen. Es schien, als wäre mein Blick gefesselt. Doch es war wie mit einem Schlage vorbei, als ich eine vertraute Stimme in meinen Ohren hörte. „Sieh, Laielenwen! Die Leuchtfeuer Gondors!“
Er stand so nah bei mir, dass ich seinen warmen Atem an meinen Ohren spürte. Ein Hauch von Gänsehaut überzog meinen Körper und mein Herz begann schneller zu schlagen. Irritiert drehte ich mich um und sah zu den Feuer. Eindrucksvoll, voller Stolz und Kraft stachen die Flammen den Himmel empor.
„Gondor ruft um Hilfe!“ sagte ich mehr zu mir selbst als zu Jaromir und ich sah an seinem regungslosen Gesicht, dass er es auch nicht verstanden hatte. Nach einander sah man, wie die Leuchtfeuer entflammten. Wahrlich ein beeindruckendes Schauspiel, wäre es doch nicht ein Hilferuf in Zeiten des Krieges.
Und dann geschah, was keiner vorher ahnen konnte. Ein Donner schallte durch ganz Gondor und ein roter, feuriger Blitz entlud sich über Osgiliath. Erschrocken drehten wir uns um und bemerkten nicht, wie sich unsere Hände berührten. Wie von selbst umfasste ich Jaromirs Hand und rückte näher an ihn heran. Es tat gut, seinen warmen Körper an meinen zu spüren und es gab mir ein Gefühl der Geborgenheit. Ein weiterer Blitz überzog Osgiliath und den Pelennor. Wenn man genau hinsah, konnte man die Scharen des Bösen erkennen. In einer Reihe, in dem feurigen Licht des Blitzes noch angsteinflößender aussehend, zog sich die endlose Schlange dahin. Es müssen Tausende, Zehntausende gewesen sein, die sich auf den Weg nach Osgiliath machten.
„Nun hat es also begonnen.“ sagte ich zu Jaromir und rückte noch ein wenig näher an ihn heran. Ohne mir dessen bewusst zu sein, umfasste ich seine Hand noch stärker.
„Sicher werden sie sich in Osgiliath formieren. Es scheint ungewiss, wenn sie angreifen, aber ich denke nicht, vor Sonnenaufgang.“ sprach Jaromir und sah mir dabei tief in die Augen. Ich entwich seinen Blicken und erwiderte: „Sicher werden sie Nachts Späher aussenden...“
„... aber das soll uns diese Nacht nicht stören. Wir haben genug Wachen, die dafür zuständig sind. Es ist vielleicht die letzte Nacht, die uns bleibt, also lasst uns ruhen gehen. Ein wenig Schlaf dürfte uns sicher gut tun.“
„Ihr habt recht, Jaromir, aber ich denke nicht, dass ich einen ruhigen Schlaf finde, währenddessen diese abscheulichen Kreaturen vor den Mauern der Weißen Stadt lagern.“
„Versucht es zu mindestens!“
Erst in diesem Moment besann ich mich, in welch einer Situation ich mich gerade befand. Noch immer hielt ich Jaromirs Hand fest in meiner und es kam mir im Nachhinein, auch jetzt noch, unheimlich kindisch und albern vor.
Für wahr, was sollte dieser Waldläufer nun von mir denken? Ich, die furchtlose Kriegerin Gondors!
Langsam fange auch ich an, an mir zu zweifeln. Ist es wirklich sinnvoll, was wir hier tun? Dieser Krieg verursacht eine Veränderung in uns allen und ich glaube nicht, dass, falls wir einen Sieg erringen sollten, es jemals wieder so sein wird wie es einst war.
Ich fühle mich wie eine Gefangene in dieser Festung. Der Feind wartet nur darauf in einen unachtsamen Moment zuzuschlagen, aber ich werde tun, was mir mein König befohlen hat. Ich werde den ersten Ring mit Schwert und Bogen verteidigen und wenn es mein Leben kostet.

Nun denn, bevor der große Sturm beginnt, werde ich nun noch ein Weilchen ruhen. Noch vor Sonnenaufgang erwartet mich Gandalf im ersten Ring. Bogenschützen wurden bereits in Form und Reihe aufgestellt.

Leb wohl, holde Elbenmaid!
24.4.06 20:38


19. Tag im neuen Jahr 3021, 3. ZA

Alae Laylia, mellon nin!


Heute habe ich deinen Brief bekommen, Laylia, und es freut mich sehr wieder von dir zu hören. Seit meinem letzten Brief vom 11. habe ich ganze 3 Tage im Bett verbringen müssen. Selbst am 4. Tag wollte Gandalf mich noch nicht heraus lassen, doch gegen meinen starken Willen kam er nicht an. Nun sitze ich hier in meinem Zimmer und schreibe dir diesen Brief. Über Minas Tirith liegt eine Wolke der Angst, denn das Böse rückt immer näher.
Aber nun möchte ich dir erst mal von den Geschehnissen der letzten Tage berichten.

Gegen Mittag des 11. Tages kam Jaromir noch einmal kurz in mein Zimmer und verabschiedete sich. Ich sah, dass ihm irgendetwas auf dem Herzen lag, doch konnte ich nicht erkennen, was es wohl war. Ich hatte das Gefühl, als wenn er den Tod suchte, in der Schlacht in die er zog. Ich wollte ihn abhalten, doch meine Bemühen waren zwecklos. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verlies er mein Zimmer und machte sich auf den Weg nach Osgiliath.
Den Rest des Tages verbrachte ich damit, aus dem Fenster zu sehen und meine Gedanken waren stets bei Jaromir. Gandalf meinte, ich solle mir keine Sorgen darüber machen, sondern eher an meine Genesung denken. Ja ja, der gute, alte Gandalf mit seinen weisen Worten! Leichter sind sie gesagt als wie getan!

Vier Tage später hörten wir immer noch keine Nachrichten von Jaromir und seinen Männern. Boten wurden ausgeschickt um zu berichten wie es um Osgiliath steht. Als sie zurück kamen, wurde die Festung kampfbereit gemacht. Späher haben erfahren, dass sich eine Streitmacht von Barad-Dûr aufmacht und Minas Tirith in 6 Tagen erreichen will. Es war grauenvoll mit anzusehen, wie die Männer von ihren Familien weg gezogen wurden. Jeder kann verstehen, dass sie so kurz nach dem Ringkrieg keine Lust auf einen neuen Krieg haben. Ich habe es gesehen, liebe Laylia, es war so furchtbar! Kleine Kinder, die weinten, weil ihr Papa sich für den Krieg kampfbereit machen musste. In Minas Tirith herrschte ein Durcheinander, dass man es kaum wagte, auf die Straße zu gehen.
Es blieb kaum Zeit für meine Genesung, denn ich konnte nicht tatenlos meine Zeit im Bett verbringen, währenddessen in Minas Tirith die Kriegvorbereitungen begannen. Ich half wo ich konnte und merkte, dass es mir die letzten Tage fehlte, so gefordert zu werden. Auch Gandalf meinte, dass ich trotz der Anstrengungen ziemlich schnell zu Kräften kam.

Am 16. des Monats wurden Jaromir und seine Männer zurück gerufen. König Elessar meinte, dass es sinnlos wäre mit so wenigen Männern die Stadt zu verteidigen. Faramir bot sich an, ebenfalls mit seinen Männern nach Osgiliath zu reiten, doch Aragorn sagte, dass er sie hier in Minas Tirith brauchte.
Von Jaromirs Männern kamen weniger als die Hälfte zurück. Der Rest fiel im Kampf gegen die Orks. Zum Glück kam Jaromir heil zurück, denn ich hätte es mir sonst niemals verzeihen können ihm im Stich gelassen zu haben.
In einem Gespräch mit dem König erzählte er, dass der Fluss bereits eingenommen wurde. Es ist nur eine kleine Streitmacht, die vom Osten her Osgiliath angreift, dennoch verfügen sie über Waffen und Kriegsmaterial, gegen dass eine kleine Schar Menschen nichts ausrichten kann. Der Rat der Könige, der nun eigentlich am 16. diesen Monats stattfinden sollte, wurde abgesagt. Zu unsicher ist es momentan unser Land zu betreten. Aragorn meinte, dass er so ein Risiko nicht eingehen kann. Wie sehr hatte ich mich auf den Rat gefreut, aber es ist eine weise Entscheidung von ihm. Ich hätte es nicht besser machen können.
Gegen Abend, als ich Éowyn half, die Betten in den Häusern der Heilung herzurichten, kam Jaromir vorbei. Wahrlich ein düsterer Anblick der sich mir bot. Wie immer in den letzten Tagen, hatte er auch zu diesem Zeitpunkt seine Kapuze des schwarzen Mantels tief ins Gesicht gezogen. Éowyn sah mich kurz an und ging dann aus dem Zimmer.
„Schön zu sehen, dass es Euch besser geht!" sagte Jaromir.
„Ja, in den letzten Tagen bin ich ganz schön zu Kräften gekommen. Man könnte fast sagen, der Trubel tut mir gut." Ich lächelte.
Jaromir vergewisserte sich, dass niemand in der Umgebung war, streifte seine Kapuze zurück und kam näher auf mich zu. „Schön Euch wieder lächeln zu sehen."
Es war ein komisches Gefühl, ihn so stehen zu sehen, glich er doch Faramir wie ein Ei dem anderen. Auch seine Art und sein edler Charakter erinnerten mich immer mehr an den Truchsess Gondors.
„Auch ich bin froh Euch wiederzusehen! Ihr hättet ebenfalls tot sein können, aber nun erzählt! Was für Pläne hat der König?" fragte ich um von der Situation abzulenken und auf andere Gedanken zu kommen.
„Die Festung ist soweit gerüstet, doch ist sie niemals dazu in der Lage, einen weiteren, harten Schlag Mordors entgegen zu stehen. Vieles, was im Ringkrieg zerstört worden ist, wurde noch nicht wieder aufgebaut. Ein Sieg scheint aussichtslos, Ihr habt die Männer gesehen! Deren Kampfgeist ist erloschen und man kann es ihnen verzeihen."
Ich setzte mich zu ihm. „Ihr habt ja recht. Aber Aufgeben dürfen wir nicht! Wir haben es schon einmal geschafft, Mittelerde zu verteidigen und werden es auch wieder schaffen. Wir haben den Weißen Zauberer, er wird uns helfen! Vertraut mir, es wird wieder eine Zeit geben, in der wir strahlend den Sonnenaufgang beobachten werden und uns dann zurück erinnern wie tapfer wir Seite an Seite mit unseren Freunden für Gondor gekämpft haben!"
Der bedrückende Ausdruck in seinem Gesicht verflog und ich sah den Kampfgeist, der in seinen Augen entflammte. „Ja, zeigen wir es diesen dreckigen Orks! Auch wenn die Aussichten auf einen Sieg gering sind, so werden wir ihnen dennoch die Stirn bieten und bis zum letzten Mann kämpfen!"
„Ihr sagt es und nun lasst uns auf andere Gedanken kommen. Gehen wir ein Bierchen trinken!" erwiderte ich und war erstaunt wie sehr sein Kampfgeist durch meine paar Worte geweckt wurde. Ein Ork wäre ich wahrlich nicht gern gewesen, wenn Jaromir vor mir stehen würde!
Der Rest des Tages verlief ohne irgendwelche Zwischenfälle. Wir unterhielten uns noch über Dies und Das und nach einen genüsslichen Bierchen und einer Pfeife guten Alten Tobi ging ich in mein Zimmer und legte mich schlafen.

Am Montag, den 17. des Monats wurden wir alle vom König in den letzten Ring gerufen. Es fand eine Versammlung statt, in der uns Aragorn seine Kriegstaktik erläuterte. Wie du weißt, bin ich kein Freund von Taktiken und dergleichen. Demnach habe ich auch nicht besonders zugehört und war vielmehr damit beschäftigt, mich nach Jaromir umzusehen. Doch leider konnte ich ihn nirgends finden und irgendwie stimmte es mich traurig. Ich sah Gandalf, Aragorn und Faramir zusammen sitzen und energisch miteinander diskutieren. Ich hörte Aragorn sagen, dass er nun in dieser Situation Gondor auf keinen Fall verlassen kann und dass er doch eigentlich dich besuchen wollte. Gandalf bot sich an, nach Lothlórien zu reiten, doch Aragorn sagte, dass er den Zauberer lieber hier bräuchte. Es sind ein paar Worte gefallen, die ich nicht hören konnte, doch nach einer Weile stand fest, dass Faramir nun nach Lothlórien reiten soll. Er will sich morgen auf den Weg machen und ich denke, dass ich ihm gleich deinen Brief mitgeben kann.
Gegen Abend, als die meisten der Gäste bereits gegangen waren, kam Aragorn zu mir und wies mich an, mich neben ihm zu setzen. Er sagte mir, dass ich während des Angriffs doch hier im letzten Ring bleiben solle. Ich wusste nicht so recht, was er mir damit sagen wollte, aber ich sah es überhaupt nicht ein, hier in den Häusern des Königs zu verweilen, wenn draußen auf dem Feld meine Freunde kämpfen.
„Ich bin ein Teil Gondors. Ich werde für mein Land kämpfen, ob du es willst, oder nicht!" antwortete ich ihm.
„Du bist wahrlich eine Kriegerin Gondors. Nun denn, ein Versuch war es wert." sagte er mit einem Lächeln im Gesicht. Es ist schon ein hübscher Mann, den wir da als König haben, vor allem wenn man ihm so gegenüber sitzt, meine Liebe! Aber mir blieb nicht viel Zeit für Schwärmerei, denn durch die Tür auf der linken Seite des Saales kam Arwen hinein und setzte sich zu uns. Ihre elbische Schönheit strahlte im ganzen Saal und man hätte leicht denken können, es wäre ein fröhlicher Tag wie jeder andere. Doch ein dunkler Schatten lag über ihrem Gesicht. Sie erzählte mir, dass ein Nachkomme Melkors ihr Volk vernichten will. Ich erzählte ihr, dass ich dies bereits von dir erfahren hatte und nickte mit dem Kopf. Sie erwähnte im Laufe des Gespräches auch deine Elbenkräfte, doch ging sie nicht genauer darauf ein. Sie sagte nur, dass du eine der wichtigsten Personen im Krieg seiest und wenn dich der Feind findet, wird zuerst ihr Volk und dann ganz Mittelerde vernichtet werden.
Nach diesen nicht geradezu aufheiternden Gespräch ging ich nach Hause. Den ganzen Tag hatte ich Jaromir weder gesehen noch gehört. Auch Gandalf wusste nicht, wo er sich aufhielt.

Gestern war im Gegensatz zu den anderen Tagen wahrlich ein ruhiger Tag. Die Festung war soweit gesichert, die Taktik stand auch fest und nun begann die große Ruhe vor dem Sturm. Späher berichteten, dass Melkors Streitmacht Minas Tirith am Freitag bei Sonnenuntergang erreichen wird.

Wir haben heute Mittwoch und es sind noch 2 lange Tage bis der Ansturm erwartet wird. Diese ewige Warterei... Man weiß nicht, was passieren wird und in den Köpfen der Menschen spielen sich die schlimmsten Gedanken ab.
Das auch ich auf andere Gedanken komme, nahm ich mir heute Früh vor, Jaromir zu suchen. Ich fand ihn in der Waffenschmiede. Er hatte ein zerborstenes Schwert in der Hand und bat dem Meister es neu zu schmieden.
„Verschwinde!" rief ich dem Schmied zu und mit einem Nicken verlies er den Raum.
„Dies ist nicht Euer Schwert! Von wem habt Ihr die zerbrochene Klinge?" fragte ich Jaromir. Er erschrak als er meine Stimme hörte, denn er hatte mich nicht kommen hören.
Er drehte sich zu mir um. „Es ist die Klinge meines Vaters!"
„Eures Vaters?" fragte ich erstaunt und wagte hinzuzufügen „Die Klinge des Herrn Denethors...?"
„Wie kommt Ihr darauf?" Seine Stimme klang ernst und düster, doch konnte er mich nun nicht länger hinters Licht führen. Längst habe ich begriffen, wer dieser seltsame Waldläufer ist. Langsam ging ich auf ihn zu und streifte ihm seine Kapuze aus dem Gesicht. „Glaubt Ihr wirklich, Ihr könntet Euer Geheimnis noch länger vor mir geheim halten? Ich weiß, wer Ihr seid! Ihr gleicht Faramir bis ins kleinste Detail und Euer Charakter ist ebenso edel wie seiner. Ihr könnt nicht länger verwahren, dass Ihr der Zwillingsbruder von Faramir seid!"
„Diese Bürde ist nicht einfach zu tragen. Ich denke, nun versteht Ihr, warum ich so ein zurückgezogenes Leben führe." antwortete er mir und sah zu Boden.
„Ich versichere Euch, dass es kein anderer erfahren wird. Ihr könnt mir vertrauen! Doch bin ich mir sicher, dass der Herr Faramir sicher nichts dagegen hätte, seinen Zwillingsbruder kennen zulernen, zu mal er Morgen nach Lothlórien reitet und die Aussicht gering ist, es ihm an einen anderen Zeitpunkt zu sagen."
„Faramir reitet nach Lothlórien?"
„Ja, Morgen gegen Mittag. Er reitet an Aragorns statt, da er Gondor in der Zeit des Krieges nicht verlassen möchte."
„Verzeiht meine Herrin, aber dürfte ich vielleicht meine Arbeit weiter machen?" hörte ich eine zaghafte Stimme hinter mir. Es war der Schmied, der zur Tür hinein schaute und auf die herumliegenden Schwerter zeigte.
„Ohhh, natürlich dürft Ihr, ich bitte um Entschuldigung." Ich holte ein paar Münzen aus der Tasche und warf sie dem Schmied auf den Tisch. „Schmiedet sein Schwert zuerst und benachrichtigt ihn, wenn es fertig ist. Er wird es dann abholen." Der Schmied nickte, ohne ein Wort zu sagen und machte sich wieder an die Arbeit.
„Ich kenne ein kleines Gasthaus hier gleich um die Ecke. Gehen wir dorthin!" Jaromir stimmte mir zu und ich sah wie er mich schelmisch angrinste.
„Was?" fragte ich ihn.
„Ein rauer Ton herrscht in dieser Stadt seitens der Frauen. Ich glaube nicht, dass ICH mir so etwas gefallen lassen würde! Dieser Mann muss wirklich arm an Würde sein." antwortete er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Leicht empört erwiderte ich darauf „Ich denke, dieser Schmied war SCHLAU, denn wenn er nicht das gemacht hätte, was ich ihm gesagt hätte, so hätte er sich noch heute eine neue Arbeit suchen müssen, klar soweit?"
„Klar soweit, Herrin! Ich sagte doch, ein rauer Ton herrscht in dieser Stadt."
Im Gasthaus angekommen, setzten wir uns an einen Tisch, der ganz hinten im Wirtshaus stand. Die Ecke war ziemlich dunkel und das Gasthaus bis auf ein paar Gäste, welche bereits angetrunken waren auch ziemlich leer. Jaromir konnte problemlos sein Gesicht zeigen, ohne erkannt zu werden.
„Wo habt Ihr das Schwert gefunden?" fragte ich ihn.
„Mich zog es gestern zur Grabstätte der Könige, da wo mein Vater sich und Faramir das Leben nehmen wollte. Ich weiß nicht, warum es mich gerade dorthin zog, aber ich wollte mir unbedingt diese Stelle ansehen. Hinter einer Königsstatue sah ich etwas funkeln. Das Licht der Sonne, welches durch die kleinen Fenster drang, schien sich in irgendetwas zu spiegeln. Als ich genauer hinsah fand ich dieses Schwert. Die Klinge war zerbrochen, doch der Schaft war noch vollkommen in Ordnung. Ich ging zur Bibliothek und forschte in alten Aufzeichnungen nach. Es ist das Schwert Ecthelions, welches auch mein Vater trug!“
Er stockte kurz, erzählte dann aber weiter. „Ich hoffe aber für den Schmied, dass er gute Arbeit leistet, denn wenn nicht wird er sich nicht nur neue Arbeit suchen müssen sondern auch noch einen neuen Arm!"
So ging es dann noch bis kurz nach Sonnenuntergang. Wir scherzten und erzählten über jegliche Dinge. Es tat wahrlich gut, in solch lustiger und edler Gesellschaft zu sein und man vergaß für einen Moment ganz und gar in welch schlimmen Situation wir uns gerade befanden.

Nun denn, es ist bereits Mitternacht und eine bedrückende Stille liegt über Minas Tirith. Für Morgen werden Reiter aus Rohan erwartet, denn die Männer Gondors reichen keinesfalls für die Verteidigung. Es haben sich im Laufe des Tages auch sehr viele Frauen, selbst Kinder im Waffenlager eingefunden, die nicht tatenlos zusehen wollen, wie ihre Familienmitglieder auf dem Schlachtfeld fallen. Lieber möchten sie mit ihnen zusammen Kämpfen! Aragorn war anfangs dagegen, aber die Frauen ließen sich nichts sagen. König Elessar nahm die Situation gleich wahr und änderte einige der Gesetze Gondors. Ab heute dürfen Frauen an einen Krieg teilnehmen, wenn es in ihren Ermessen ist. Auch ist beschlossen worden, dass das erstgeborene Kind eines Königspaares, egal ob weiblichen oder männlichen Geschlechts Anrecht auf den Thron hat.

Aber nun werde ich langsam zum Ende meiner Aufzeichnungen kommen. Der Tag war lang und ich werde nun auch langsam müde. Ich hoffe, dir geht es gut und pass weiterhin gut auf dich auf!

Lye Laielenwen



P.S. Ja, du hattest richtig gelesen. Jaromir hat dich als wunderschöne Elbenmaid bezeichnet.
23.4.06 20:24


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